Gesundheitskommunikation und -aufklärung

Ziel unserer Projekte im Bereich Gesundheitskommunikation und -aufklärung ist es, komplexe Gesundheitsthemen verständlich, wirksam und zielgruppengerecht zu vermitteln. Dabei entwickeln und evaluieren wir digitale Interventionen, die schulische Teilhabe fördern, Fachkräfte stärken und informierte gesundheitliche Entscheidungen unterstützen. 

Hierzu zählen die folgenden Projekte:

Chronische Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Asthma, Epilepsie oder schwere Allergien betreffen viele Kinder und Jugendliche im Schulalter. Gleichzeitig nimmt die inklusive Beschulung in Deutschland zu, sodass Lehrkräfte im Schulalltag immer häufiger mit gesundheitlichen Fragestellungen, medizinischen Notfällen und chronischen Erkrankungen konfrontiert werden. Schule ist für betroffene Kinder ein zentraler Ort für Bildung, soziale Teilhabe und psychosoziale Entwicklung. Damit Inklusion im Alltag gelingen kann, benötigen Schulen jedoch verlässliche Strukturen, klare Zuständigkeiten und ausreichend Unterstützung.

Das Forschungsprojekt SICK – Schulungs-Intervention chronisch erkrankte Kinder setzt hier an. Ziel des Projekts ist es, Lehrkräfte im sicheren, reflektierten und praxisnahen Umgang mit chronisch erkrankten Schüler:innen zu unterstützen und ihre Handlungssicherheit zu stärken. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse wird eine digitale Weiterbildung entwickelt, an der Fachkräfte aus Medizin, Pädagogik und Recht beteiligt sind, unter anderem die Diabetesambulanz des Klinikum Nord in Bremen und die Epilepsieberatung des Juliusspitals Unterfranken.

Im ersten Schritt des Projekts wurde eine Befragung von 433 Lehrkräften durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte chronisch erkrankten Schüler:innen überwiegend positiv gegenüberstehen und häufig bereits Erfahrungen mit betroffenen Kindern und Jugendlichen gesammelt haben. Gleichzeitig berichteten viele Lehrkräfte erhebliche Unsicherheiten im Umgang mit chronisch erkrankten Schüler:innen, insbesondere bei medizinischen Notfällen, Medikamentengabe und Haftungsfragen. Viele Schulen verfügen bislang nur über begrenzte gesundheitsspezifische Strukturen, etwa standardisierte Notfallpläne oder feste Ansprechpersonen. Hinzu kommen fehlende personelle und zeitliche Ressourcen: Lehrkräfte erleben die zusätzliche Verantwortung häufig in einem ohnehin überlasteten Schulalltag, in dem kaum Kapazitäten für weitere Aufgaben bestehen. Besonders häufig nannten sie daher den Wunsch nach praxisnahen Schulungen, klaren Handlungsanweisungen, rechtlicher Orientierung sowie besserer struktureller Unterstützung.

Die Ergebnisse der Vorab-Befragung werden derzeit wissenschaftlich veröffentlicht und fließen direkt in die Entwicklung der Weiterbildung ein.

KIVI – Kleinkind-Impfaufklärung durch Videointervention

Im Projekt KIVI wird untersucht, inwiefern kurze, leicht verständliche und mehrsprachige Informationsvideos dazu beitragen können, das Verständnis von Eltern für empfohlene Impfungen im Säuglingsalter und Kindesalter zu verbessern und ihre Impfbereitschaft zu erhöhen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf den Impfungen gegen Rotaviren, Masern-Mumps-Röteln (mit besonderem Fokus auf Masern), Meningokokken B, sowie RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus), die für den Schutz von Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern von zentraler Bedeutung sind.

Die Videoinhalte sind visuell unterstützt, sprachlich vereinfacht und in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch, Ukrainisch, Türkisch) verfügbar, um insbesondere Eltern mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen niedrigschwellig zu erreichen. Begleitend erfolgt eine anonyme Befragung vor und nach der Videointervention, um Veränderungen im Wissen, im Vertrauen in Impfungen sowie in der individuellen Impfentscheidung zu erfassen.

Ziel des Projekts ist es, evidenzbasiert zu prüfen, ob videobasierte Gesundheitskommunikation dazu beitragen kann, bestehende Informations- und Sprachbarrieren zu reduzieren und Eltern in ihrer informierten Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung verständlicher, zielgruppengerechter Impfaufklärung im deutschen Gesundheitssystem leisten.


KIMI

Eine Fahrt in ein MRT kann ganz schön gruselig sein – vor allem, wenn man nicht versteht, was dort gerade passiert. Auch CT, Ultraschall oder Röntgen lösen bei vielen Kindern Unsicherheit und Angst aus.

Im Projekt KIMI – Kindergerecht Informiert: Medizinische Information haben wir altersgerechte, mehrsprachige Videos entwickelt, die Kinder verständlich auf radiologische Untersuchungen vorbereiten. Sie erklären den Ablauf, die Geräte, mögliche Geräusche und Sinneseindrücke sowie das Verhalten während der Untersuchung.

In einer Pilotstudie untersuchen wir, ob die Videos Angst reduzieren, das Verständnis verbessern und die Kooperation der Kinder fördern. Die Videos stehen auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Ukrainisch zur Verfügung und ergänzen das ärztliche Aufklärungsgespräch.


Seltene Erkrankungen sind häufig genetisch bedingt und zeigen sich oft schon im Säuglings- oder Kindesalter. Für Familien bedeutet die Diagnose meist einen tiefen Einschnitt. Eltern stehen plötzlich vor vielen neuen Fragen und Unsicherheiten: Was bedeutet die Diagnose für mein Kind? Wie wird sich die Erkrankung entwickeln? Was kommt in Zukunft auf unsere Familie zu? Neben der emotionalen Belastung sind Eltern häufig mit komplexen medizinischen Informationen, unklaren Prognosen und langfristigen Entscheidungen konfrontiert. Studien zeigen, dass Eltern von Kindern mit seltenen Erkrankungen insbesondere unmittelbar nach der Diagnosestellung einen hohen Informationsbedarf haben. Ergänzend zu Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten suchen viele Familien deshalb im Internet nach weiteren Informationen. Dort stoßen sie jedoch nicht immer auf verlässliche oder verständliche Inhalte.

Hier setzt unser Projekt „GENIE – Genetic Information and Education“ an. Ziel des Projekts ist es, die Informationsvermittlung im Rahmen der humangenetischen Beratung zu untersuchen und weiterzuentwickeln. Dafür werden zwei Perspektiven berücksichtigt. In einer ersten Teilstudie werden Ärztinnen und Ärzte aus der Humangenetik online zu ihren Erfahrungen in der genetischen Beratung befragt. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Bedingungen eine verständliche und patient Beratung fördern oder erschweren, welche Herausforderungen bei der Vermittlung komplexer genetischer Informationen bestehen und welche zusätzlichen Unterstützungsangebote aus Sicht der Beratenden hilfreich sein könnten.

In einer zweiten Teilstudie werden kurze, mehrsprachige Informationsvideos für Eltern und Angehörige von Kindern mit genetisch bedingten seltenen Erkrankungen entwickelt und wissenschaftlich untersucht. In der aktuellen Studie entstehen Videos zum Noonan-Syndrom und zum Kabuki-Syndrom. Beide sind seltene genetische Erkrankungen, die verschiedene Bereiche der körperlichen und kindlichen Entwicklung betreffen können und individuell sehr unterschiedlich verlaufen.

In den Videos werden unter anderem folgende Fragen beantwortet:

  1. Warum hat mein Kind diese Erkrankung?
  2. Was passiert nach der Diagnose?
  3. Was bedeutet die Erkrankung für das Leben meiner Familie?
  4. Wie kann ich als Elternteil oder Angehörige für mich selbst sorgen?
  5. Wo finde ich weitere Informationen und an wen kann ich mich wenden?

Die Videos werden auf Deutsch, Englisch und Arabisch angeboten. In einer Online-Studie wird untersucht, wie verständlich und hilfreich die Videos sind und ob sie dazu beitragen können, das Wissen über die Erkrankung und das Vertrauen in die vermittelten Informationen zu verbessern. Ergänzend sollen Interviews Aufschluss darüber geben, welche weiteren Informationen und Unterstützungsangebote Familien benötigen.

Übergeordnet verfolgt GENIE das Ziel, die humangenetische Beratung stärker an den Bedürfnissen von Familien auszurichten und durch verständliche, niedrigschwellige und mehrsprachige Informationsangebote sinnvoll zu ergänzen. Das Projekt soll dazu beitragen, Familien in einer besonders sensiblen Phase besser zu unterstützen.


Publikationen mit Bezug zur Gesundheitskommunikation: