Gesundheitskommunikation und -aufklärung

Ziel unserer Projekte im Bereich Gesundheitskommunikation und -aufklärung ist es, komplexe Gesundheitsthemen verständlich, wirksam und zielgruppengerecht zu vermitteln. Dabei entwickeln und evaluieren wir digitale Interventionen, die schulische Teilhabe fördern, Fachkräfte stärken und informierte gesundheitliche Entscheidungen unterstützen. 

Hierzu zählen die folgenden Projekte:

In Deutschland erkranken jährlich rund 2.250 Kinder und Jugendliche an Krebs. Längere Klinikaufenthalte und intensive Therapien führen häufig zu längeren Schulabwesenheiten, die erhebliche Auswirkungen auf das psychosoziale Wohlbefinden, die soziale Teilhabe und Lernprozesse haben können. Die schulische und psychosoziale Versorgung dieser Kinder ist bislang sehr uneinheitlich organisiert. Telepräsenzavatare, d. h. mobile, digital gesteuerte Avatare zur virtuellen Teilnahme der betroffenen Kinder am Unterricht, bieten hier einen vielversprechenden Ansatz zur Förderung der sozialen und schulischen Teilhabe. Während internationale Studien erste positive Effekte auf schulische Einbindung und psychische Gesundheit zeigen, fehlen in Deutschland bislang belastbare Erkenntnisse zur Wirksamkeit, Akzeptanz und praktischen Umsetzung sowie zu den institutionellen Rahmenbedingungen der Vergabe der Avatare.

Das Projekt EduCare Connect – Verbesserung der schulischen Teilhabe und psychosozialen Gesundheit krebskranker Kinder und Jugendlicher durch digital gestützte Lösungen untersucht den schulischen Nutzen von Telepräsenzavataren für Kinder und Jugendliche mit einer Krebserkrankung. In zwei laufenden Mixed-Methods-Studien werden wahrgenommene Barrieren und Gelingensbedingungen des schulischen Avatar-Einsatzes aus unterschiedlichen Perspektiven erhoben, darunter Eltern, Lehrkräfte und beteiligte Institutionen. Ziel ist es, eine belastbare, datenbasierte Grundlage für zukünftige Versorgungskonzepte zur schulischen Teilhabe krebskranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland zu schaffen.

Chronische Erkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Asthma, Epilepsie oder schwere Allergien betreffen viele Kinder und Jugendliche im Schulalter. Gleichzeitig nimmt die inklusive Beschulung in Deutschland zu, sodass Lehrkräfte im Schulalltag immer häufiger mit gesundheitlichen Fragestellungen, medizinischen Notfällen und chronischen Erkrankungen konfrontiert werden. Schule ist für betroffene Kinder ein zentraler Ort für Bildung, soziale Teilhabe und psychosoziale Entwicklung. Damit Inklusion im Alltag gelingen kann, benötigen Schulen jedoch verlässliche Strukturen, klare Zuständigkeiten und ausreichend Unterstützung.

Das Forschungsprojekt SICK – Schulungs-Intervention chronisch erkrankte Kinder setzt hier an. Ziel des Projekts ist es, Lehrkräfte im sicheren, reflektierten und praxisnahen Umgang mit chronisch erkrankten Schüler:innen zu unterstützen und ihre Handlungssicherheit zu stärken. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse wird eine digitale Weiterbildung entwickelt, an der Fachkräfte aus Medizin, Pädagogik und Recht beteiligt sind, unter anderem die Diabetesambulanz des Klinikum Nord in Bremen und die Epilepsieberatung des Juliusspitals Unterfranken.

Im ersten Schritt des Projekts wurde eine Befragung von 433 Lehrkräften durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Lehrkräfte chronisch erkrankten Schüler:innen überwiegend positiv gegenüberstehen und häufig bereits Erfahrungen mit betroffenen Kindern und Jugendlichen gesammelt haben. Gleichzeitig berichteten viele Lehrkräfte erhebliche Unsicherheiten im Umgang mit chronisch erkrankten Schüler:innen, insbesondere bei medizinischen Notfällen, Medikamentengabe und Haftungsfragen. Viele Schulen verfügen bislang nur über begrenzte gesundheitsspezifische Strukturen, etwa standardisierte Notfallpläne oder feste Ansprechpersonen. Hinzu kommen fehlende personelle und zeitliche Ressourcen: Lehrkräfte erleben die zusätzliche Verantwortung häufig in einem ohnehin überlasteten Schulalltag, in dem kaum Kapazitäten für weitere Aufgaben bestehen. Besonders häufig nannten sie daher den Wunsch nach praxisnahen Schulungen, klaren Handlungsanweisungen, rechtlicher Orientierung sowie besserer struktureller Unterstützung.

Die Ergebnisse der Vorab-Befragung werden derzeit wissenschaftlich veröffentlicht und fließen direkt in die Entwicklung der Weiterbildung ein.

KIVI – Kleinkind-Impfaufklärung durch Videointervention

Im Projekt KIVI wird untersucht, inwiefern kurze, leicht verständliche und mehrsprachige Informationsvideos dazu beitragen können, das Verständnis von Eltern für empfohlene Impfungen im Säuglingsalter und Kindesalter zu verbessern und ihre Impfbereitschaft zu erhöhen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf den Impfungen gegen Rotaviren, Masern-Mumps-Röteln (mit besonderem Fokus auf Masern), Meningokokken B, sowie RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus), die für den Schutz von Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern von zentraler Bedeutung sind.

Die Videoinhalte sind visuell unterstützt, sprachlich vereinfacht und in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch, Ukrainisch, Türkisch) verfügbar, um insbesondere Eltern mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen niedrigschwellig zu erreichen. Begleitend erfolgt eine anonyme Befragung vor und nach der Videointervention, um Veränderungen im Wissen, im Vertrauen in Impfungen sowie in der individuellen Impfentscheidung zu erfassen.

Ziel des Projekts ist es, evidenzbasiert zu prüfen, ob videobasierte Gesundheitskommunikation dazu beitragen kann, bestehende Informations- und Sprachbarrieren zu reduzieren und Eltern in ihrer informierten Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung verständlicher, zielgruppengerechter Impfaufklärung im deutschen Gesundheitssystem leisten.


Publikationen mit Bezug zur Gesundheitskommunikation: